geb.: 31. März 1900 in Neuburg/Donau
gest.: 26. Dez. 1978 in Bonn
Heinrich Schliers Familie war evangelisch. Der Vater war Militär-Generalarzt im bayerischen Neuburg. Seine Volksschulzeit verbrachte Heinrich Schlier in Neuburg und Landau (Pfalz), seine Gymnasialzeit in Landau und Ingolstadt. Heinrich Schlier studierte Theologie in Leipzig u. Marburg. 1926 promovierte er und tat danach einige Jahre als evangelischer Pfarrer Dienst in Thüringen.
"Am 30. November 1927 heiratete Heinrich Schlier Frau Erna Hildegard Haas. Der Ehe entstammen vier Kinder: Christoph (1930), Thomas (1931), Barbara (1933) und Veronika (1936). Alle Kinder besuchten die Volksschule in Frönsberg und die damalige Oberschule für Jungen heute Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium in Hemer.2)
1928 habilitierte er sich in Jena für das Fach Neutestamentliche Exegese. Bereits 1930 ging er als Privatdozent nach Marburg. Er hatte eine Lehraufträg für biblisches Griechisch, neutestamentliche Übungen, neutestamentliche Zeitgeschichte und ein katechetisches Proseminar bis Wintersemester 35/363). Er stieß zu jenem Kreis jüngerer Theologen, die der damals herrschenden liberalen Theologie den Kampf angesagt hatten. Bedingt durch sein Engagement in der Bekennenden Kirche sowie durch seine politische Ausrichtung war er gezwungen, seine Tätigkeit an der Universität Marburg aufzugeben.
Als Exeget war Heinrich Schlier besonders Bultmann verbunden. Paulus war das Spezialgebiet von Schlier. In der Nazizeit war H. Schlier wegen seiner Mitgliedschaft in der Bekennenden Kirche mehrfach verhört und verhaftet worden.
Seit 1938 wohnte die Familie Schlier in Ispei/Frönsberg. Heinrich Schlier und seine Familie hatten hier einen Unterschlupf gefunden, für die Nazis waren Heinrich Schlier sozusagen in der Versenkung verschwunden. Hermann-Josef Geismann beschreibt in seinem Aufsatz im "Schlüssel" die Hemeraner Zeit ausführlich.2) 1959 zog die Familie Schlier von Ispei weg. Das dortige Haus wurde erst 1989 verkauft.

Zeichnung: Hermann-Josef Geismann
Von 1935 bis 1940 Leiter der kirchlichen Hochschule in Wuppertal-Elberfeld, die illegal und getarnt vor den Nazis geführt wurde. Seit 1945 war H. Schlier o. Prof. für Neues Testament und Geschichte der alten Kirche an der ev.-theol. Fakultät in Bonn. "Jahr für Jahr wuchs meine Überzeugung, daß es nach dem NT nur eine, die eine Kirche gibt, daß die Eintracht der Kirche zu ihrem Wesen gehört..."1)
Daher war 1953 der Übertritt zur kath. Kirche konsequent. Bereits 1952 emeritierte er als ordentlicher Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Die katholische Kirche verweigerte dem ordinierten Pastor als "Laien" einen Lehrstuhl. Schlier wurde Honorarprofessur innerhalb der Bonner philosophischen Fakultät (Lehrauftrag für altchristliche Literaturgeschichte). Schlier erhielt die Ehrendoktorwürde zahlreicher Universitäten. Des weiteren war er Gastprofessor an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Gestorben ist Heinrich am 26. Dez. 1978 in Bonn. Er war einer der bedeutendsten Bibelwissenschaftler unseres Jahrhunderts. Fast alle Werke Schliers erlebten mehrere Auflagen. Papst Paul VI. berief ihn 1972 zum Mitglied der Päpstlichen Bibelkommission. Unter 20 Mitgliedern war er der einzige Laie.
1)Anger, Gunnar (Münster), email vom 24.04.98
2)Geismann, Hermann-Josef: Heinrich Schlier in Ispei. Der Schlüssel (1995), S. 126-137
3)Forschungsseminar »Marburger Theologie im Nationalsozialismus« Prof. Dr. J.-C. Kaiser http://www.catholic.net/RCC/Periodicals/Dossier/mar-apr96/historic.html
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| Stand/last updated: 16. September 2009 | Copyright©: Hubert Becker, 1998 |