Jobst Edmund von Brabeck
geb.: 11.11.1619 in Letmathe
gest.: 13. August 1702 in Hildesheim
"Jobst Edmund von Brabeck wird am 11.11.1619 als Sohn des Westhoff v. B. und dessen Ehefrau Freiin Ursula von Landsberg zu Erwitte auf Haus Letmathe zu Hemer in der Grafschaft Mark geboren." Diese falsche Angabe schmerzt einen Letmather besonders. Peter Trotier stellt in seinem Artikel über Jobst Edmund und Theodor von Brabeck richtig, daß Jobst Edmund natürlich auf Haus Letmathe in Letmathe geboren sei1).
Jobst Edmund Freiherr von Brabeck stammt aus dem alten westfälischen Geschlecht der Freiherrn von Brabeck zu Letmathe und Hemer. Diese sind für einhundertundfünfzig Jahre im Besitz des Hauses Hemer in Niederhemer, dessen Vorgängerbau Gegenstand der ersten urkundlichen Erwähnung von Hemer (Hademare) ist.
Melchior von Brabeck war für das Haus Hemer der erste Besitzer derer von Brabeck2). Nach seinem Tode 1680 lebt sein Bruder Johann Ernst von Brabeck, Domherr in Münster, zeitweise auf Haus Hemer. Er stirbt hier 1690.
Für die Nachgeborenen von niederen katholischen Adelshäuser dieser Zeit war es durchaus üblich, dem Domkapitel eines Bistums anzugehören, um aus den damit verbundenen Pfründen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Jobst Edmund wird bereits im Alter von elf Jahren als Domherr in Münster aufgeschworen. Er beginnt, was damals durchaus üblich war, in sehr jungen Jahren eine Domherrenkarriere. In Begleitung eines Hofmeisters lernt er Italien und Frankreich kennen. 1649-50 studiert er in Italien und weilt aus Anlaß des Heiligen Jahres 1650 in Rom.
1655 wählt ihn das Domkapitel in Münster zum Domdechanten. Die Priesterweihe empfängt Jobst Edmund erst im Jahre 1667, obwohl diese für den Domdechanten als einzigem Mitglied des Domkapitels vorgeschrieben war.
Im gleichen Jahr entzweit sich Jobst Edmund mit dem Münsteraner Fürstbischof, weil er die Wahl des Kölner Kurfürsten Max Heinrich von Bayern zum Koadjutor in Münster befürwortet, um sich des starken Rückhalt Kölns und Bayerns für das Bistum und für das Stift Münster zu versichern, dessen er Statthalter er bereits seit 1651 war. Der Münsteraner Fürstbischof setzt jedoch die Wahl des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg zum Koadjutor in Münster durch. Jobst Edmund verläßt daraufhin Münster und tritt in die Dienste Max Heinrich von Bayerns, der ihm in seiner Eigenschaft als Fürstbischof von Hildesheim eine Domherrenstelle am Dom zu Hildesheim verschafft. Die gut dotierte Stelle des Münsteraner Domdechanten gibt Jobst Edmund aber erst auf, als er 1674 die Domdechanei in Hildesheim erwirbt.
Nach dem Tod des Kölner Kurfürst Max Heinrich von Bayern im Jahr 1688, der auch Fürstbischof von Hildesheim war, wählt das Hildesheimer Domkapitel am 19.7.1688 seinen Domdechanten Jobst Edmund von Brabeck zum neuen Fürstbischof. Dies wird auch deshalb möglich, weil sich das Haus Wittelsbach auf die Sicherung des Fürstbistum Köln konzentriert und keine eigenen Kandidaten in anderen Bistümern aufstellt. Am 2.7.1689 wird Jobst Edmund von Brabeck zum Bischof geweiht.
Die Stadt Hildesheim mit großer protestantischer Bevölkerung ist nicht gewillt, sich der landesherrlichen Gewalt eines Bischofs, der nun wieder am Ort residiert, zu unterwerfen. Bereits am Konsekrationstag von Jobst Edmund kommt es zu Konflikten mit der Stadt, die während der gesamten Regierungszeit des Fürstbischofs andauern. Konsequent siedelt Jobst Edmund aus der widerspenstigen Stadt auf das Amt Scheuerwald (Steuerwald?) über.
Um den Bestand und die Stellung der Katholiken im Bistum zu sichern, stimmt Jobst Edmund der Wahl des Kölner Kurfürsten Joseph Clemens von Bayern zum Koadjutor in Hildesheim 1694 zu. Im hohen Alter von 78 Jahren wird Jobst Edmund von Brabeck 1697 vom Papst zusätzlich noch zum Apostolischen Vikar des Nordens ernannt. Als solcher steht er der Seelsorge an den versprengten Katholiken in Braunschweig-Lüneburg, Hamburg, Bremen, Mecklenburg, aus den ehemaligen Bistümern Magdeburg und Halberstadt sowie in Dänemark vor, 1698 kommt Schweden hinzu.
Brabecks Sorge gilt auch seiner Heimatgemeinde Letmathe und der katholischen Gemeinde in Hemer. Jobst Edmund von Brabeck ist spätestens seit seiner Hildesheimer Zeit nie wieder nach Letmathe oder Hemer zurückgekehrt, er finanziert dennoch den Umbau der baufällig gewordenen Kilianskirche in Letmathe und den Neubau einer Kirche im mittlerweile protestantischen Hemer. Der Bau der Peter- und Paulskirche neben dem Familienbesitz Haus Hemer in der Diasporagemeinde Hemer wird im Jahre 1697 begonnen und 1700 vollendet. Brabeck stattet die Kirche kostbar mit Kanzel, Hochaltar und Orgel aus. Das barocke Orgelgehäuse, erbaut von dem Attendorner Bildhauer Johann Sasse, ruht auf geschnitzten Holzsäulen3).
Am 13. August 1702 stirbt Jobst Edmund von Brabeck und wird in der Barbarakapelle des Domes zu Hildesheim beigesetzt. Diese wird leider ein Opfer der Bombardierung des Hildesheimer Domes im 2. Weltkrieg.
Ein weiterer bekannter Sproß derer von Brabeck ist Johann Karl Theodor von Brabeck. Er wird am 19.7.1738 auf Haus Lohausen bei Hamm als Sohn des Peter Franz Walter von Brabeck und der Maria Ottilia Schenck von Niddeg geboren. Mit Hemer hat dieser spätere Kirchenfürst direkt nichts zu tun. Er tritt in die Benediktinerabtei Corvey ein und wird am 18.9.1762 in Hildesheim zum Priester geweiht. Sein ganzes Wirken gilt der Abtei Corvey, deren Abt er 1776 wird. Mit der 1792 erreichten und 1794 vollzogenen Umwandlung der Abtei Corvey in ein Bistum versucht er den Bestand der Abtei von Corvey zu sichern. Er konnte sich dieses Erfolges nicht lange erfreuen. Er stirbt bereits am 25.10.1794 und wird in Corvey begraben.
1818 stirbt mit seinem Bruder Bernhard das Gesamthaus derer von Brabeck zu Brabeck, wenig später das derer zu Letmathe und Hemer aus.
| Die Familie von Brabeck, deren Familienwappen, die drei 2:1 in Gold gestellten Wolfsangeln wurden in das Wappen von Hemer übernommen. Das Wappen derer von Brabeck ziert auch so manchen Dom in Deutschland. Dem Verfasser ist persönlich das Wappen in folgenden Domen aufgefallen: Münster, Hildesheim, Münster, Köln, Mainz, Freiburg und Corvey. |
Aber nicht nur Kirchen ist das Wappen zu sehen. Im Wappen der 1919 zur Stadt erhobenen Gemeinde Gladbeck, das 1929 vom preußischen Staatsministerium genehmigt wurde, finden sich die drei Wolfsangeln,. Die Familie von Brabeck war von Mitte des 14. bis Ende des 17. Jahrhunderts Besitzer des in der Nähe befindlichen festen Hauses Wittringen.
Aus der Dörntener Zeittafel (Dörnten liegt ca. 8 km nördlich von Goslar) ist bekannt: "Freiherr Jobst Edmund von Brabeck, westfälisches Adelsgeschlecht (Wappen am Turbinenhaus) im Dienste des Hildesheimer Bischofs, errichtet auf einer alten Mühlstelle im Innerstetal das Eisenwerk (Erzhütte) Kunigunde, vermutlich der älteste Hüttenbetrieb in dieser Gegend, er ließ die Erze am Eisenkuhlenberg bei den Fischerköpfen im Tagebau fördern".
Haus Hemer
Zeichnung: Hermann-Josef Geismann
1)Trotier, Peter: Zwei Bischöfe aus dem Letmather Geschlecht von Brabeck. In: Hohenlimburger Heimatblätter für d. Raum Hagen 54 (1993) S. 214, 223-224
2)Geismann, Hermann-Josef: Oberhof Hademare - Burggut Hemeren - Haus Hemer. Der Schlüssel 39 (1994) S. 104-106.
3) Kick, Thomas: Hemer, St. Peter und Paul: Orgel von Johann Jakob John, 1701
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